Vom 26.-28.05.2007 traf sich der elitäre Club der Mainorgas Deutschlands auf einem "exklusiven Gipfel" in Braunschweig, der OrgaLAN, hauptsächlich veranstaltet vom Team der LANarena. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen dieser Veranstaltung geworfen und sind auf ganz erstaunliches gestoßen: "Saufen, Grillen, Spaß haben." - schlachti.
Und eines können wir schon jetzt vorwegnehmen. Viel mehr war’s wirklich nicht ;-)
Wir haben diese Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und unseren rasenden Reporter losgeschickt, um über Zukunft und Trends der LAN-Szene zu sprechen.
Nachdem (fast) alle brav ihr Chili verspeist hatten, entführten wir Jan-Olaf 'jos' Stiller von (LANarena, X-Rent) sowie Jens 'fl_dutch' Broens (maxlan) und zwangen sie, unseren Fragen Rede und Antwort zu stehen.
Chiliessen auf der OrgaLAN
ProjectLAN.de: Wenn ihr an die Zukunft von LAN-Partys denkt, welche Entwicklungstendenzen in der Szene könnt ihr für euch ausmachen und welche Rolle spielt dabei das Internet?
jos: Ich bin der Meinung, dass nicht nur sehr große sondern auch mittelgroße LAN-Partys (200-400 Teilnehmer) weiterhin eine Zukunft haben werden. Allerdings muss so eine Veranstaltung heute viel stärker beworben werden als früher. Außerdem denke ich, dass die Szene unter unseriösen Veranstaltern leidet. Diese können durchaus auch potentielles LAN-Volk vergraueln. Wer einmal eine „Abrissparty“ besucht – gerade als Lanparty-Neuling – und dafür vielleicht ein paar hundert Kilometer gefahren ist und >30 € Eintritt bezahlt hat, dem wird meistens die Lust auf Lanparties erst einmal gründlich vergangen sein – ganz unabhängig davon, wer sie veranstaltet. Lanparties von hoher Qulität sind also im Interesse aller Veranstalter.
Internet auf einer LAN-Party ist sicherlich, unabhängig vom Nutzen, ein interessantes Feature. Auch ich selber schätze bspw. die Erreichbarkeit per ICQ. Für alle Valve-Spiele (Steam) ist Internet sowieso Pflicht.
fl_dutch: Wir veranstalten LAN-Parties mit 200 Gästen und sehen den Erfolg einer solchen Veranstaltung unabhängig von der Größe – allerdings waren wir die letzten Male immer ausgebucht. Ich stimme da mit Jos überein und sage, dass Professionalität bei der Ankündigung und Durchführung bzw. Eventgestaltung eine wichtige Rolle spielt. Nur die Technik stellen allein reicht schon lange nicht mehr aus. Die Leute wollen etwas geboten bekommen. Allerdings sehe ich bei unserer Teilnehmerzahl eine Internetanbindung eher als Zugabe bzw. als notwendiges Übel, nicht als Mittel um Teilnehmer zu locken.
ProjectLAN.de: Jos hat eben das Thema "Veranstalter" angeschnitten. Guido 'sEIGu' Seifert von lanparty.de hat dazu vor über zwei Jahren eine Kolumne namens L33t 1000+ Orgas, go home! veröffentlicht. Wie hat sich eurer Meinung nach das Veranstalterfeld entwickelt und was könnt ihr allen ambitionierten jungen Menschen diesbezüglich mit auf den Weg geben?
fl_dutch: Die Message ist doch ganz einfach – klein anfangen und stetig mit den Erfahrungen wachsen. Das ist im Interesse aller Veranstalter. Ich spreche aber niemandem das Recht ab, selber auf die Nase zu fallen.
jos: Ich spreche mal aus meiner Erfahrung als Verleiher für Lanparty-Technik. Mit was für Plänen da potentielle Lanparty-Veranstalter regelmäßig an mich herantreten ist nach wie vor haarsträubend. Und das sind gar nicht mehr unbedingt die „gerade-18-gewordenen-Mainorgas“ sondern auch größere Veranstaltungsagenturen.
Glücklicherweise kommt es aber heute seltener vor, dass solche Parties dann auch tatsächlich angekündigt werden oder gar stattfinden. Ein guter Teil der heute tatsächlich aktiven Veranstalter verfügt zumindest über gewisse Erfahrung.
v. li. n. re.: fl_dutch, jos, schlachti (lanparty.de)
ProjectLAN.de: Die LAN-Szene scheint sicht immer stärker zu kommerzialisieren. Da haben wir z.B. die innovaLAN GmbH, welche regelmäßig große LAN-Partys im Norden der Republik veranstaltet. Die Netzstatt Gaming League (NGL), mousesports, Gamesports u.a. gehören unter das Dach der Freaks 4U GmbH und die Turtle Entertainment GmbH vereint unter anderem die ESL-Europe und GIGA Digital. Wie steht ihr dieser Entwicklung gegenüber? Wo seht ihr Vorteile, wo könnten sich Nachteile für Veranstalter und Teilnehmer ergeben?
jos: Diese Entwicklung ist vor allem bei größeren Veranstaltungen jenseits von tausend Teilnehmern und mehr eine Nötige. Solche Parties können und sollten realistischerweise nicht mehr von ehrenamtlichen Hobbykräften erledigt werden. Die Hauptarbeit während der Party wird natürlich weiterhin von Ehrenämtlern gestemmt, die aus Spaß an der Freude dabei sind und keine oder nur eine geringer Vergütung erhalten (etwa Fahrtkosten, Verpflegung etc.).Die Vorbereitungen zu solchen Parties gehen dagegen schnell in Richtung Vollzeitjob. Insbesondere, was Verwaltung und Buchhaltung angeht.
fl_dutch: Im Sinne der Professionalisierung der Veranstaltungen sehe ich die Beteiligung von Firmen an einer LAN-Party zwar kritisch, habe aber nichts dagegen. Allerdings ist der Begriff Kommerzialisierung eher negativ besetzt. Problematisch finde ich, dass ein Event durch die Beteiligung von Sponsoren in dessen erwünschte Richtung gelenkt werden kann. Das fängt bei der Präsentation des Sponsors an, und macht wie die Vergangenheit schon gezeigt hat, auch vor den Turnieren nicht halt. Klasse wäre es, wenn Lan-Events in Zukunft so professionell sind, dass auch die Helfer ein professionelles Entgelt für ihr bisher meist ehrenamtliches Engagement bekommen.
ProjectLAN.de: Woran könnte es liegen, dass die schwedische Dreamhack-LAN sich jedes Mal aufs Neue überbietet - 7.752 Teilnehmer und damit neuer Weltrekord in 2006 - und eine Dimension 6 statt anfangs 6.280 nur knapp 3.500 Leute anzieht und das bei einer viel höheren Bevölkerungsdichte in Deutschland und der besseren Anbindung an Nachbarstaaten?
fl_dutch: Das deutsche Publikum ist meist recht kritisch. Die Gründe sind sicherlich vielfältig. Ich finde es durchaus erfolgreich, eine Erstveranstaltung mit 3500 Teilnehmern aus dem Boden zu stampfen. Die Dreamhack hatte viel mehr Zeit zu wachsen und sich ein entsprechendes Image als Computerfestival aufzubauen. Ich drücke Innovalan die Daumen, dass sie es schaffen ein mit der Dreamhack vergleichbares Event in Deutschland langfristig zu etablieren. Mit der Northcon war Innovalan ja schon auf dem richigen Weg – die Kapazitäten der Hallen in Neumünster machten den Wechsel in eine größere Location leider notwendig.
jos: Ohne selber auf der Dreamhack gewesen zu sein, behaupte ich, dass so eine Veranstaltung kaum mit der typischen deutschen Lanparty zu vergleichen ist. Grundsätzlich sind Lanparties (bzw. „Computerparties“) in Skandinavien seltene, aber dafür sehr gut besuchte Veranstaltungen, die auch Gäste aus den Nachbarländern anziehen. Auf deutschen Lanparties sind ausländische Gäste dagegen – selbst bei grenznahen Parties – die ganz große Ausnahme.
Neben Schwimmengehen, Billardspielen, Grillen u. ä. wurde auch gezockt.
ProjectLAN.de: Es gab ja in der Vergangenheit einige Anstrengungen, die LAN-Szene zu einen. So war Mitte 2005 bereits entschieden, die NGL an einen LAN-Party Dachverband abzugeben (mehr unter lanparty.de). Allerdings ist dieses Vorhaben schon nach kurzer Zeit gescheitert. Im Bereich des eSports konnte mit der Schaffung des Deutschen eSport-Bundes (ESB) ein erster Schritt in Richtung Bündelung der Kräfte getätigt werden. Für wie sinnvoll und förderlich haltet ihr die Gründung eines LAN-Party Dachverbandes bzw. welche Perspektiven könnte ein solches Vorhaben eröffnen?
jos: Die Schaffung eines Lanparty-Dachverbandes halte ich für schwierig realisierbar. Zu unterschiedlich sind die Interessen und Ansichten der deutschen Lanparty-Veranstalter. Und zu unübersichtlich und inhomogen sind die Veranstalter selbst organisiert.
Das geht vom e.V. über die GmbH bis hin zu Einzelpersonen, die nach einer Veranstaltung in der Versenkung verschwinden. Die Frage wäre, welche (gemeinsamen) Ziele ein solcher Dachverband verfolgen sollte und wie er organisiert und finanziert werden sollte.
fl_dutch: Ich sehe da aktuell keinen Sinn drin. Sicherlich wäre es schön, einen Verband zu haben, der für uns Veranstalter Lobbyarbeit betreibt – gerade wenn man auf das immer wieder auf der Tagesordnung stehende Verbot von Gewaltspielen geht. Dort könnte ein Verband sicherlich gut wirken. Allerdings wäre dafür durchaus einiges an Geld nötig, dass die Veranstalter auf dem aktuellen Professionalitätslevel einfach nicht über haben (wollen).
ProjectLAN.de: Zum Schluß eine kleine nicht ganz so ernst gemeinte Frage. Wie könnte eine LAN-Party in 10 Jahren aussehen?
fl_dutch: Vielleicht gibt es dann gar keine Lanparties mehr.
jos: Zehn Jahre sind eine ungeheuer lange Zeit in so einem schnelllebigen Bereich. Aber ich denke, dass sich so viel gar nicht ändern wird. Es werden nur noch mehr graue Haare auf Lanparties zu sehen sein, als heute schon, weil wahrscheinlich immer noch dieselben Leute hingehen. Aber ich bin immer sehr zurückhaltend mit solchen Zukunftsprognosen. Hättest Du mich 1997 auf einer Lanparty gefragt, ob ich in 10 Jahren immer noch Lanparties veranstalten werde, wäre die Antwort mit Sicherheit „Nein“ gewesen. :-)
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und wünschen euch weiterhin alles Gute für die Zukunft!
Das Gespräch führte Daniel 'aD' Kühne.
Vielen Dank an Junkie für die Bilder!
Sodan
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Ich persönlich mag mittelgroße LAN-Parties viel mehr als so große, obwohl es mich auch mal reizen würde auf eine Riesen-LAN zu gehen. Aber LANs wirds noch lange geben und irgendwann schaff ichs auch noch mal dahin ^^
MfG Sodan