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Internet wird noch krasser - dank CERN

Der Titel klingt vielleicht nicht unbedingt seriös, aber wir wollten ganz einfach Abstand nehmen von Superlativen, weil diese in keinsterweise die folgenden technischen Fortschritte beschreiben könnten. Megabit und Gigabit, diese Kenngrößen sind mittlerweile sogar den technisch unbedarfesten Zivilisten Begrifflichkeiten, werden sie doch in TV-Spots und Postwurfsendungen von Internetprovidern nahezu maßlos verwendet.

Doch was kommt danach? Lateinische Bezeichnungen für die nächsten Ausbaustufen sind noch zu Genüge da, aber derzeit bewegt sich die Einheit des heimischen Breitbandanschlusses immer noch im Megabit-Bereich. Will man das in absehbarer Zeit ändern, so muss man zuerst an der Infrastruktur des Internets anpacken. Denn schon jetzt pfeiffen die zentralen Internetknoten dank youtube und Co. schon auf dem letzten Loch. Und genau da greift eine neuartige Entwicklung der Wissenschaftler des CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire), dem europäischen Labor für Teilchenphysik, an.

Ganze Spielfilme sollen damit innerhalb weniger Sekunden übertragen werden können. Bahnbrechend wäre das richtige Wort hierfür. "The Grid", so taufte man das Projekt, soll bis zu 10.000 Mal schneller sein, als derzeitige Internetverbindungen. Selbst die Übertragung holographischer Bilder, was beim aktuellen Stand einen informationstechnischen Overkill bedeuten würde, wären demnach spielend möglich. Als weiteres Beispiel wurde angeführt, dass es mit "The Grid" ohne weiteres möglich wäre, hunderttausende Spieler gleichzeitig in Online-Games spielen zu lassen oder hochauflösende Videotelefonate  zu führen.

LHC Detektor
CMS Detektor des LHC

Vor rund 7 Jahren wurde der Grundstein für dieses Projekt gelegt, als man sich bewusst wurde, dass ein Testlauf des LHC (Details dazu weiter unten im Text) bereits soviele Daten erzeugen würde, dass man damit gut 56 Millionen CDs, aufeinander gestapelt würde das einen Turm von 40 Kilometern Höhe ergeben, befüllen könnte. Angesichts dessen würde die Nutzung des bestehenden Forschungsnetzes zu einem kompletten Kollaps des Internets führen. Das "Grid", um zum technischen Kern der News zu kommen, besteht derzeit auf gut 50.000 Servern, die mit den aktuell modernsten Routing-Centern via unzähligen Glasfaserkabeln verbunden wurden. Perspektivisch soll das System auf insgesamt 200.000 Server erweitert werden. Weitere technische Details sind jedoch derzeit nur nach gezieltem Nachfragen zu erfahren.

Wann und vor allem ob die Technologie jemals für Endanwender in greifbare Nähe rücken wird, darüber kann man derzeit nur philosophieren. Bis es einmal so weit sein sollte, wird die Technologie vor allem der Forschungsarbeit an Universitäten vorbehalten sein. Laut David Britton, einem Physik-Professor an der Universität Glasgow und gleichzeitigem Leiter des Grid-Projektes, hätte die Technologie sogar das Potenzial, unsere derzeitige Gesellschaft entscheidend zu verändern:

"Mit dieser Art von Verarbeitungsleistung, werden künftige Generationen die Möglichkeit haben, in einer Art und Weise zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren, die man sich heute noch nicht einmal vorstellen kann." - David Britton


Ein erster Testlauf des "The Grid"-Systems erwartet uns im Sommer zum "Red Button Day". Denn dann will man die volle Leistung des Systems direkt im Genfer Labor austesten und die Ergebnisse analysieren. Das hat wiederum mit dem Testlauf des LHC (Large Hadron Collider [Großer Hadronen-Beschleuniger]) zu tun, der zeitglich gestartet wird und ein Puzzlestück zur Erklärung unseres Universums sein soll. Während also der LHC Teilchen beschleunigt, wird "The Grid" die Daten aufnehmen und analysieren.

"Vom Large Hadron Collider (LHC), der im Herbst in Genf seinen Betrieb aufnimmt, versprechen sich die Wissenschaftler am CERN Einblicke in bisher unentdeckte Welten. Wenn im LHC Protonen und später Bleikerne aufeinanderprallen, dann könnte das Zustände wie in der Frühphase des Universums erzeugen." - 20min.ch

Kleines Detail am Rande: Ein englischer Professor hat Klage gegen den Start des Teilchenbeschleunigers eingereicht, da er befürchtet, dass dies das Ende der Menschheit bedeuten könnte.

Infos zum Autor

Torsten Schmidt

27 Jahre, aus Dresden

634 Newsbeiträge

Das letzte Wort

»Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus 2 Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.«


2332 Leser verfasst am 07.April 2008 - 23:53 Uhr

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Torsten

Kommentare: 1295

Angst vor schwarzen Löchern
Ich zitiere mal eben:

Zitat

Der Amerikaner Walter Wagner, der sich selbst als Kernphysiker bezeichnet, fürchtet, dass neben dem Teilchenregen auch Schwarze Löcher, sogenannte seltsame Materie oder einpolige Magnete entstehen könnten - und die Menschheit in den Abgrund reissen.

Die Wissenschaftler gingen mit ihren Experimenten ein Risiko ein, das sie nicht einschätzen könnten. Deswegen fordert er, dass alle «bislang nicht adäquat untersuchten theoretischen potentiellen Gefahren» einer umfassenden Sicherheitsanalyse unterzogen werden.

---

Wenn etwas im Teilchenbeschleuniger schiefgeht, dann ist die Katastrophe immer nur so gross wie die hineingesteckte Energie. Die Energie, die im gigantischen «LHC» frei wird, reicht gerade einmal aus, eine Tasse Kaffee um ein paar Grad zu erwärmen.

Mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit könnten tatsächlich kleine Schwarze Löcher im «LHC» entstehen. Die wären nach vorherrschender Physikermeinung allerdings sehr, sehr klein - und würden quasi im Moment ihrer Entstehung schon wieder zu Energie zerstrahlen. Wären diese Schwarzen Löcher – rein hypothetisch – doch stabil, wären sie immer noch viel zu klein, um Materie ansaugen zu können.
- 20min.ch

Was meint ihr? Teilt ihr Wagners Befürchtungen oder denkt ihr, "wird schon schiefgehen"?
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the

Kommentare: 45

Apokalypse?!?
Den einzigen "Jüngsten Tag", den ich mir bei den Tests erwarte, ist der für unsere derzeitigen Festplatten!
Denn wenn diese Technik wirklich einmal für das Internet bereitstehen wird, müssen sich die Festplattenhersteller schnell etwas neues überlegen, weil selbst ein Raid 10 nicht einmal annähernd die Daten speichern könnte, die über diese Leitung laufen würden!
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Ronny

Kommentare: 380

Angst? Warum?
Ich bin schon gespannt, was die Wissenschaftler in Cern rausfinden werden, wenn sie die Teilchen miteinander kollidieren lassen. Angst vor Folgen, hab ich keine. Das Schlimmste was passieren kann, ist dass wir uns und den Planeten vernichten.
Doch mit der Angst leben wir seit der Erfindung der Atombombe. Oder wer kann sich nicht mehr daran erinnern, wie in Zeiten des "Kalten Krieg" immer vor der totalen Vernichtung der Menschheit durch einen Nuklearschlag gewarnt wurde.
Doch zum Glück war bei den wichtigsten Menschen in unserer Geschichte die Neugier immer größer als die Furcht.
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Kommentare: 46

Angst?!?
Soleen sie den Planeten doch zerstören!

Na und Hauptsache es geht schnell und tut nicht Weh
:-)
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nightflyer502

Kommentare: 19

erinnert mich
Erinnert mich sehr stark an den Besteller "Illuminati" von Dan Brown ;-)

PS: ein wirklich gutes Buch!
0 Minus (0 Stimmen)

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